31. Sonntag im Jahreskreis A

Hinführung zur ersten Lesung Mal 1,14-2.2.8-10

Prälat Johann Koller

Das Buch Maleachi enthält fünf prophetische Reden aus der schwierigen Zeit nach dem Exil und nach dem Tempelbau (516 v. Chr.). Israel ist klein, arm und hilflos geworden. Enttäuschung über JHWH und Kleinglaube nehmen zu. Die tiefe Umkehr zu ihm fehlt. Der Wiederaufbau ist unendlich schwierig, der Tempel klein, Feinde und Missernten machen schwer zu schaffen. Warum nach dem Willen Gottes leben, wenn er Treue nicht belohnt? FÜRWAHR, EIN GROSSER KÖNIG ICH BIN, SPRICHT JHWH DER HEERSCHAREN. MEIN NAME IST GEFÜRCHTET UNTER DEN VÖLKERN – Großkönige haben Macht über Großreiche (über nationale Grenzen hinaus). Der persische Großkönig herrscht nun auch über das ohne davidischen König führungslos gewordene Israel. JHWH muss sich neu offenbaren als „Herr der Heere“ (oft bei Maleachi), der viele Diener (Engel, Gestirne, Mächte usw.) hat und nicht nur Hirte Israels, sondern „Herr“ der Welt ist.
Die Priester im Tempel versagen schwer. UND JETZT ERGEHT AN EUCH DIESER BESCHLUSS, IHR PRIESTER! WENN IHR NICHT HÖRT UND WENN IHR NICHT VON HERZEN GEWILLT SEID, MEINEM NAMEN EHRE ZU GEBEN, SPRICHT JHWH DER HEERSCHAREN, DANN SENDE ICH MEINEN FLUCH GEGEN EUCH. ICH VERFLUCHE EURE SEGENSGABEN. JA, ICH VERFLUCHE SIE, WEIL IHR NICHT VON HERZEN GEWILLT SEID – die Priester suchen ihr eigenes Wohlergehen, achten nicht die Tora, nicht die Ehre Gottes, sind im Gottesdienst ihrem Auftrag untreu, missbrauchen ihr Amt, schaden dem Volk, erleben nicht Segen, sondern Fluch.
DENN IHR HABT EUCH ABGEWENDET VOM WEG. IHR HABT VIELE ZU FALL GEBRACHT DURCH EURE BELEHRUNG. IHR HABT DEN BUND MIT DEN LEVITEN VERDORBEN, SPRICHT JHWH DER HEERSCHAREN. DARUM AUCH ICH: ICH MACHE EUCH ZU VERACHTETEN UND ERNIEDRIGTEN VOR DEM GANZEN VOLK. SO, WIE AUCH IHR NICHT AUF MEINE WEGE ACHTET UND AUF DAS ANSEHEN DER PERSON SCHAUT BEI DER BELEHRUNG – die Priester sind aus dem Stamm Levi. Sie verraten ihren Dienst, „verderben“ den „Bund“, reden den Leuten nach dem Mund, kapitulieren vor den Vornehmen, verlieren daher im Volk rasch alle Achtung.
Nun ein dringender Aufruf zum Neubeginn an das Volk, das auch schuldig geworden ist. IST ETWA NICHT EINER DER VATER FÜR UNS ALLE? HAT ETWA NICHT DER EINE GOTT UNS GESCHAFFEN? WARUM HANDELT IHR TÜCKISCH? EIN BRUDER GEGEN DEN ANDEREN BRUDER, UM DEN BUND UNSERER VÄTER ZU ENTWEIHEN – Korruption und Rücksichtslosigkeit gegeneinander, Chaos in ehelichen Verhältnissen, Auflösung der Familien, Niedergang des Glaubenslebens.


Der Kommentar wurde Johann Kollers Buch „EVANGELIUM KOMPAKT UND NEU – Lesejahr A | Matthäus Band 2 | Jahreskreis entnommen“. Sie können das Buch (und die anderen in der Reihe) in der Pfarre Hernals Kalvarienberkirche beziehen.